#3

Drittes Kapitel

Die Auswahl

Mehr als nur Referenzen

Projekte sind gebaute Entscheidungen über Sicherheit, Dauerhaftigkeit, Umwelt, Akzeptanz und Alltag. Die Verantwortung realisiert sich in Details. Jedes Projekt ist ein Eingriff – und eine Chance, Zukunftsfähigkeit konkret zu machen.

Projekte als gebaute Entscheidungen

Brücken, Gebäude, Schleusen, Wehre, Windkraftanlagen, Tunnel – und ebenso Verkehrs- und Infrastrukturplanung – geben unterschiedliche Antworten auf dieselbe Aufgabe: Lebensräume nachhaltig sichern, verbinden und weiterentwickeln.

Projekte sind gebaute Entscheidungen: über Sicherheit, Dauerhaftigkeit, Umwelt, Akzeptanz und Alltag. Jedes Projekt ist ein Eingriff – und eine Chance, Zukunftsfähigkeit zu realisieren.

Was leisten Bauwerke – jenseits ihrer Statik?

Bauwerke gliedern, schützen, verbinden und schaffen Räume und prägen auf diese Weise Alltag, Sicherheit, Miteinander und Akzeptanz. Wie ressourcenschonend sie letztendlich wirken, entscheidet sich beim Planen: ob sie flexibel, wartungsarm, eindeutig, dauerhaft und akzeptiert werden.

Jedes Projekt ist ein Eingriff in Lebensräume – manchmal sichtbar, manchmal still im Hintergrund. Eine Brücke, die nicht nur zwei Ufer verbindet, sondern Pendelzeiten verkürzt und Regionen vernetzt. Gebäude, die Orte für so vieles sind: Lernen, Arbeiten, Leben, Handeln und immer zuallererst Schutzräume.

Infrastruktur ist außerdem sozial wirksam: Sie entscheidet, ob Wege sicher sind, ob Räume verbinden oder trennen, ob Orte entstehen, an denen man sich selbstverständlich bewegt, die einen Menschen anziehen und in den Austausch bringen – oder die man meidet.

Wirkung zählt. Nicht Pose.

Verantwortung realisiert sich nicht abstrakt, sondern in Entscheidungen. In Tragwerken, die dauerhaft funktionieren. In Bauabläufen, die Qualität sichern. In Lösungen, die Ressourcen schonen, Nutzungen mitdenken und Akzeptanz schaffen. Zukunftsverantwortung heißt für uns, Bauwerke so zu planen, dass sie nicht nur heute passen, sondern morgen tragen und problemlos weitergedacht werden können.

Bauwerke anders betrachten

Dieses Kapitel ist eine Einladung, 
Bauwerke anders zu lesen: nicht nur als Ergebnis, sondern als Antwort auf Fragen.

  • Was war an dieser Stelle möglich – und was notwendig?

  • Was soll bleiben, und was darf sich verändern?

  • Wie sieht Infrastruktur aus, die nicht nur heute passt, sondern morgen mitdenkt?

  • Wie schaffen wir Akzeptanz – durch Transparenz, Beteiligung und nachvollziehbare Abwägungen?

Brücken – lebensadern der Gesellschaft

Brücken sind für uns mehr als Verkehrswege. Sie führen zusammen – sie sind gesellschaftliche Verbindungen.

Heute planen wir Brücken so, dass sie funktional, langlebig und ressourcenschonend sind – und gleichzeitig städtebauliche und ökologische Anforderungen ernst nehmen.

“Wir müssen schneller werden und Ressourcen, Zeit und Kosten gleichzeitig optimieren.“

„Schneller“ heißt für uns nicht schneller entscheiden, sondern früher Klarheit schaffen: Varianten sauber vergleichen, Risiken früh sichtbar machen, Bauabläufe so planen, dass Qualität nicht unter Zeitdruck leidet. Ressourcen, Zeit und Kosten lassen sich nur gemeinsam optimieren – wenn Tragwerk, Bauverfahren, Instandhaltung und Betrieb als Einheit gedacht werden.

Tempo entsteht durch Geradlinigkeit – 
nicht durch Abkürzungen.

Eine Brücke ist dann gut, wenn sie Verbindungen schafft, ohne neue Trennlinien zu ziehen.

Projekt im Fokus:

Neubau Brücken am Südschnellweg | Hannover

Dr. Joachim Göhlmann

Brücken sind Lebensadern unserer Gesellschaft – Verbindungen in die Zukunft. Ich bin überzeugt, dass Brückenbauwerke Menschen verbinden und Regionen stärken. Vor dem herausfordernden Hintergrund des immensen Sanierungs- und Neubaubedarfs von Brücken in Deutschland müssen die Faktoren Ressourcen, Zeit und Kosten zeitgleich bedacht werden. Deshalb ist es wichtig, schneller zu werden, offen zu denken und proaktiv vorwegzugehen.

Mein Ziel ist es, Brücken zu planen und zu prüfen, die sowohl ästhetisch ansprechend als auch funktional sind – die heutigen Anforderungen gerecht werden und zukünftigen Generationen dienen.

Dr.-Ing. Joachim Göhlmann | Geschäftsführender Gesellschafter

gebäude – schutzräume zum leben

Gebäude sind die Bühne unseres Alltags. Sie prägen Lernen, Arbeiten, Wohnen – und damit Gesundheit und Wohlbefinden. Ein gutes Gebäude ist anpassungsfähig: Es kann Nutzungen wechseln, Technik integrieren, Standards weiterentwickeln.

Gerade im Bestand wird das entscheidend. Der nachhaltigste Quadratmeter ist oft der, der nicht neu gebaut werden muss. Tragwerke spielen dabei eine Schlüsselrolle: Raster, Spannweiten, Erschließung – sie entscheiden, ob Umnutzung möglich wird oder teuer scheitert.
Materialwahl, graue Energie, Rückbaubarkeit und robuste Details beeinflussen die Umweltbilanz. Gleichzeitig gilt: Komfort ist auch Infrastruktur. Wer überhitzt, kühlt mehr. Wer im Lärm arbeitet, kompensiert. Tragwerk, Bauphysik und Architektur zusammen machen hier den Unterschied.
Tragwerke gestalten nicht das Miteinander, aber den Raum, in dem es stattfindet.

Tragwerk ermöglicht Qualität – nicht nur Tragfähigkeit.

Tragwerke sind nicht sichtbar sozial, aber sie entscheiden mit, wie Räume erlebt werden.

schleusen, wehre, Häfen, … bewährte bauweise mit moderner technik

Schleusen, Düker, Wehr- und Hafenanlagen gab es mit gleichen Funktionen bereits vor mehreren hundert Jahren: Regulieren, Schützen, Verbinden. Moderne Bauwerke im Ingenieurwasserbau entstehen daher selten „auf der grünen Wiese“, sondern in der Regel als Ersatz oder um historische Anlagen zu ergänzen.

Wir Planer realisieren aktuelle Projekte mittels modernster Technik, welche (Ingenieur-)leistungen unsere Vorfahren vor zum Teil mehreren hundert Jahren mit einfachsten Mitteln erbracht haben. Es lehrt uns, einfach zu denken und nicht alles umzusetzen, was technisch möglich ist, sondern nur das, was technisch erforderlich ist.

Bauwerke im Ingenieurwasserbau finden in der Öffentlichkeit kaum die notwendige Beachtung, gestalten jedoch bei genauem Hinsehen durch ihre vielfältigen Aufgaben Lebensräume.

unter der oberfläche
tunnel und u-bahn

U-Bahn Hannover – Katalysator einer neuen Dimension | Mit dem Ratsbeschluss zum Bau der U-Bahn Hannover profiliert sich GRBV als verlässlicher Partner für komplexe Infrastrukturmaßnahmen. Diese Erfahrungen haben unsere Expertise im Tunnelbau nachhaltig geprägt.

Tunnel | unten ordnen, 


Tunnel bündeln Verkehr und Versorgungsleitungen. Sie entlasten sensible Räume – Wohngebiete, Innenstädte, Landschaften. Oben bleibt Spielraum: für Grün, sichere Wege, Stadtentwicklung, Quartiere, die wieder zusammenwachsen.
Technisch bleiben Tunnel anspruchsvoll: Bauweise, Logistik, Wasserhaushalt, Dauerhaftigkeit, Betrieb und Sicherheitskonzepte müssen als System funktionieren. Ein guter Tunnel ist nicht „nur“ gebaut. Er ist über Jahrzehnte sicher zu betreiben.
 Ein Tunnel ist unsichtbar – 
seine Wirkung umso mehr erlebbar.

oben Freiraum zurückgeben

Aufbauend auf unseren Erfahrungen im Spezialtiefbau gehören Tunnel und unterirdische Bauwerke ebenso zu unserem Leistungsspektrum in der Objekt- und Tragwerksplanung. Unser Tochterunternehmen Ingenieurbüro Prof. Duddeck & Partner GmbH erweitert unsere Expertise in der offenen Bauweise um 50 Jahre Erfahrung in der Planung und Prüfung von Tunneln in bergmännischer Bauweise und Absenktunneln.
Der Tunnelbau ist durch komplexe Randbedingungen sowohl in der Geologie als auch in den Bauzuständen im häufig urbanen Umfeld geprägt. Mit unserem gebündelten Wissen und unserer Erfahrung planen wir sichere und wirtschaftliche Bauabläufe für die jeweils beste Bauwerkslösung im konkreten Kontext.

Die beste Lösung ist selten die schnellste – 
sondern die robusteste im Betrieb.

Der Tunnelbau ist durch komplexe Randbedingungen sowohl in der Geologie als auch in den Bauzuständen im häufig urbanen Umfeld geprägt. Mit unserem gebündelten Wissen und unserer Erfahrung planen wir sichere und wirtschaftliche Bauabläufe für die jeweils beste Bauwerkslösung im konkreten Kontext.

Die Beste Lösung ist selten die schnellste – sondern die robusteste im Betrieb.

Infrastruktur als Treiber

Ein entscheidender Punkt in der Entwicklung unseres Büros war der U-Bahn-Bau in Hannover. Hier profilierte sich das Büro und seine Prüfingenieure als verlässliche Prüfinstanz für komplexe Hochbau- und Infrastrukturmaßnahmen.

Jörg Dittrich

Ich will nicht nur verwalten, sondern aktiv Projektarbeit leisten. Nur so weiß ich wirklich, was auf der Baustelle passiert und wie wir Aufgaben sauber abarbeiten.

Für mich ist es wichtig, Erfahrung weiterzugeben und jüngere Kolleginnen und Kollegen Schritt für Schritt in Verantwortung zu bringen.

Gleichzeitig treiben uns Themen wie Digitalisierung und BIM an, weil wir uns darüber fachlich weiterentwickeln und neue Referenzen aufbauen. Mein Ziel ist es, das Geschäftsfeld des Ingenieurbrückenbaus weiter zu stärken und die nächste Generation so vorzubereiten, dass sie Verantwortung übernehmen und die Arbeit erfolgreich fortführen kann.

Dipl.-Ing. Jörg Dittrich | Geschäftsführender Gesellschafter

VERKEHRS- und 
INFRASTRUKTUR-GESTALTUNG

Verkehrs- und Infrastrukturplanung lenkt Ströme – und entscheidet gleichzeitig, wie sicher, leise und gerecht Mobilität ist. Im Kern ist gute Infrastruktur Systemdesign: Sie macht das „Richtige“ leicht.

Akzeptanz entsteht, wenn Entscheidungen nachvollziehbar sind – und wenn Menschen erleben, dass Infrastruktur ihren Alltag verbessert, statt ihn zu belasten.

Akzeptanz baut man mit Klarheit, nicht mit Behauptungen.

WINDENERGIE – HÖHE ALS HERAUSFORDERUNG

Pioniergeist in On- und Offshore

Windkraftanlagen sind technische Bauwerke mit gesellschaftlicher Reichweite: Sie erzeugen erneuerbare Energie und sind zugleich sichtbar – damit auch Projektionsfläche für Fragen nach Landschaft, Artenschutz und Beteiligung.

GRBV hat für das Projekt zusammen mit den dänischen Architekten von Dissing+Weitling die Objekt- und Tragwerksplanung bearbeitet und anschließend die Bauüberwachung durchgeführt. Für die Konzeption des Tragwerks erhielt unser Ingenieurbüro 1997 
den Betonstahlpreis für innovative Bewehrung.

Gute Windenergieprojekte verbinden Klimanutzen mit sorgfältiger Planung von Eingriffen, Logistik, Netzanbindung und Wartung. Akzeptanz entsteht durch Fairness und Transparenz: Alternativen zeigen, Auswirkungen verständlich machen, Schutzmaßnahmen konsequent umsetzen. Lebenszyklusdenken gehört dazu – von Gründung und Material über Betrieb bis zum Rückbau.

Unter der Leitung von Dr.-Ing. Joachim Göhlmann wurde dieses Feld bei GRBV stark ausgebaut. Wir begleiten Konstruktionen immer größerer Anlagen, arbeiten an Typenprüfungen und sichern vor Ort, dass Ausführung und geprüfte Unterlagen übereinstimmen.

Energie bauen heißt: Technik, Umwelt und Gesellschaft zusammen denken.

Fernmeldeturm mit Auszeichnung

1986 plante die Telekom im Stadtteil Groß-Buchholz einen neuen Funkturm. 282 Meter hoch wird er schließlich. Sein viereckiger Grundriss löst Diskussionen unter den Einwohnern Hannovers aus – und nicht nur unter diesen. Seinen Namen ‚Telemax‘ verdankt der Turm einem von der Deutschen Telekom initiierten Namenswettbewerb.

GRBV hat für das Projekt zusammen mit den dänischen Architekten von Dissing+Weitling die Objekt- und Tragwerksplanung bearbeitet und anschließend die Bauüberwachung durchgeführt. Für die Konzeption des Tragwerks erhielt unser Ingenieurbüro 1997 
den Betonstahlpreis für innovative Bewehrung.

Vom Mittellandkanal
 bis zur Nordseeküste

Vom Werk zur Welt – am Anfang steht SALCOS® – der Umbau der Produktion im Stahlwerk Salzgitter zu „Grünem Stahl“ im laufenden Betrieb. Voraussetzung für eine nachhaltige und somit zukunftsfähige Schwerindustrie in Deutschland sind neben einer „grünen“ Produktion auch nachhaltige, CO2-arme Logistikwege.

Mit der Verbindung vom Betriebshafen in Salzgitter über den Stichkanal Salzgitter (SKS), dem Mittellandkanal (MLK), dem Elbe-Seiten-Kanal (ESK) und der Elbe in die Nordsee, stellt die Wasserstraße eine wirtschaftliche, nachhaltige Alternative zu Straße und Schiene dar – mit dem entscheidenden Vorteil, dass die Wasserstraße noch Potenziale für die Zukunft aufweist.

Neben der Verbindung von Salzgitter zur Nordsee ist der beschriebene Verlauf aber auch ein Zeichen der Vernetzung von GRBV:

Im Geschäftsfeld Hoch- und Industriebau planen wir für SALCOS®, im Ingenieurbrückenbau bearbeiten wir mehrere Brückenbauwerke über den Wasserweg und im Leistungsfeld des Ingenieurwasserbaus kümmern wir uns um den Streckenausbau, Schleusen, Häfen, Wehre und Dockneubauten auf besagter Strecke.

Manchmal verdeutlicht erst ein Blick von oben, wie verzahnt Planung und Umsetzung sind.

DIE VERANTWORTUNG DER 
KLEINEN ENTSCHEIDUNG

Jede Konstruktion ist eine Abwägung: zwischen Freiheit und Sicherheit. Zwischen dem Mut, Möglichkeitsräume zu öffnen – und der Pflicht, Risiken zu beherrschen. Genau hier beginnt Verantwortung: nicht als moralische Geste, sondern als konkrete Einflussgröße auf Entscheidungen.

Wir planen für Situationen, die heute noch nicht existieren. Verantwortung heißt deshalb: so entscheiden, dass Bauwerke auch unter veränderten Anforderungen funktionieren – wartbar, nachvollziehbar, robust.

Spannungsfelder

Große Spannweiten
Freiheit: flexible Nutzung, Umnutzbarkeit.
Sicherheit: Verformung/Schwingung, Aussteifung, Robustheit.

Leichtigkeit ja – aber nicht auf Kosten von Komfort und Dauerhaftigkeit.

Schlank versus dauerhaft
Freiheit: Material sparen, CO₂ reduzieren, elegante Konstruktionen.
Sicherheit: Empfindlichkeit gegenüber Fehlern, Feuchte, Ermüdung.

Optimierung braucht Puffer, nicht nur Minimum.

Brücke als Systemelement
Freiheit: Gestaltung, Landmarke, schlanke Eingriffe.
Sicherheit: Netzrelevanz, Anprall, Hochwasser, Reparaturfähigkeit.

„Hält sie?“ reicht nicht. Entscheidend ist: „Wie verhält sie sich im Ausnahmefall?“

Verantwortung steckt im Detail –
 und wirkt im Alltag.

  • Material und Detailausbildung: Langlebigkeit, Korrosionsschutz, Rissbreiten, Ermüdung, Toleranzen. „Optimiert“ ist nur gut, wenn es nicht fragil wird.

  • Betrieb und Instandhaltung: Zugänglichkeit, Austauschbarkeit, klare Dokumentation. Was nicht wartbar ist, wird teuer – oder riskant.

  • Komfort als Infrastruktur: Lärm, Tageslicht, thermische Behaglichkeit – nicht als Luxus, sondern als Gesundheitsfaktor.

  • Barrierefreiheit: nicht als Zusatz, sondern als Frage, wem wir Zugang ermöglichen.

Kapitel 2

Team und Kultur

Zusammenarbeit im Wandel

Kapitel 4

Innovationen

Die Grenzen verschieben