Neubau Brücken am Südschnellweg | Hannover

Gedacht.

Der Südschnellweg ist die einzige leistungsfähige und hochwasserfreie Ost-West-Verbindung im Süden Hannovers und zugleich Teil der Tangente zwischen A 2 und A 7. Seine Brücken aus den 1950er-Jahren nähern sich jedoch dem Ende ihrer Nutzungsdauer; mehrere Bauwerke wiesen erhebliche Tragfähigkeitsdefizite auf. Die gebaute Entscheidung besteht hier deshalb nicht nur im Erneuern einzelner Bauwerke, sondern in der Frage, wie eine unverzichtbare Verbindung leistungsfähig bleibt und zugleich räumlich verträglicher in die Stadt eingebunden werden kann.

Geplant.

Eine Antwort findet sich am Knoten Hildesheimer Straße / Schützenallee.

Die bisherige Hochstraße war ein sehr dominantes Bauwerk. Sie beanspruchte Raum und zerschnitt Blick- und Wegebeziehungen. Mit der Tunnellösung wird der Verkehr an dieser Stelle unter die Erde verlagert. Oben entsteht dadurch nutzbarer Stadtraum – also mehr Zusammenhang zwischen den angrenzenden Bereichen, mehr Spielraum für Wege, Freiräume und eine städtebaulich ruhigere Situation.

Die bisherige Hochstraße wird durch einen rund 1.100 Meter langen Tunnel mit Rampenbauwerken in offener Bauweise abgelöst. Parallel dazu wurde eine 940 Meter lange Behelfsbrücke errichtet, damit der Verkehr während der Bauzeit weiterlaufen kann.

Die Leinebrücke und die Leineflutbrücke sind zwei Gewässerquerungen des Südschnellwegs im Bereich der Ricklinger Kiesteiche. Die neuen Brücken sollen zusammen künftig eine Gesamtlänge von rund 350 Metern haben, gegenüber rund 280 Metern im Bestand.

Es gibt mehrere Gründe, warum die Brücken länger werden sollen.
Erstens geht es um Hochwasserschutz. Die Fahrbahnen sollen im Zuge der Brückenverlängerungen über die Linie eines 100-jährlichen Hochwassers (HQ100) angehoben werden. Dadurch sollen Rückstau und das Festkeilen von Treibgut besser vermieden werden. Die längeren Bauwerke schaffen also mehr freien Wasser- und Überflutungsraum.

Zweitens geht es darum, den Naturraum unter den Bauwerken aufzuweiten. Die neuen Brücken gewähren mehr Raum für Tiere, die zwischen den Bereichen der Leinemasch wechseln. Die ökologische Vernetzung der Ufer- und Auenräume soll sich dadurch erheblich verbessern. Zusätzlich erhalten Geh- und Radwege zusätzlichen Raum.

 

Gebaut.

Gebaut wird hier unter anspruchsvollen Randbedingungen: hoher Grundwasserstand, dichte städtische Umgebung, laufender Verkehr und ein Bauablauf über Jahre. Der Tunnel erhält einen Kastenquerschnitt von rund 22 Metern Breite und 9,5 Metern Höhe und wird in zehn Baudocks hergestellt.

Rückverankerte Schlitzwände, Unterwasserbetonsohlen, in Ton einbindende Dichtwände und zusätzliche Aussteifungen im Düsenstrahlverfahren zeigen, worin die eigentliche gebaute Entscheidung liegt: in der präzisen Verbindung von Baugrund, Wasser, Verkehr und Stadt. GRBV begleitet diesen Prozess als Prüfingenieurin für statische Berechnungen, Ausführungspläne und Bewehrungsabnahmen.